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| KAPITEL 1: Die weibliche
Versuchsperson |
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| 31.Juli
1978 [Montag] |

Es
war
der Sommer vor 20 Jahren, und ich war gerade einmal 18 Jahre alt, als
ich zum erste Mal hier war.
Ich kann ihn immer noch riechen, den Gestank in der Luft, die von den
Rotorblättern des Helikopters herum gewirbelt wurde. Aus der
Luft sah das Anwesen ziemlich normal aus, aber am Boden hatte es etwas
furchteinflößendes...
William Birkin, zwei Jahre jünger als ich, interessierte sich
für nichts als die Forschungsdateien die er ständig
las. Erst zwei Tage zuvor waren wir hierher versetzt worden.
Es war derselbe Tag, an dem sie entschieden hatten, das
Trainingszentrum zu schließen, zu dem wir gehörten.
Alles könnte von Anfang an so geplant gewesen sein, aber
vielleicht war es auch nur purer Zufall.
Nur Spencer kennt die Wahrheit...
Hier, im Arclay-Loboratorium, war Spencers persönliche Basis
für die „T-Virus“ Forschung.
Als wir aus dem Helikopter sprangen, sahen wir schon den Manager des
Labors am Lift auf uns warten.
Ich kann mich nicht mal mehr an den Namen von dem Typen erinnern.
Sein offizieller Titel war mir auch völlig egal, denn von
diesem Tage an gehörte das Labor nur noch Birkin und mir.
Wir hatten die volle Autorität als Chef-Entwickler bekommen.
Das war natürlich Spencers Wille gewesen. Wir waren die
Auserwählten.
Wir ignorierten den Labor Manager und betraten den Lift, ich mir am
Vortag eine Karte von dem Gebäude besorgt und gut
eingeprägt.
Birkin wollte nicht wirklich anstößig sein, dennoch
hatte er nie Zeit für andere. Länger als 5 Sekunden
mit uns zusammen zu sein, hätte wohl die meisten Leute
wütend gemacht. Wie dem auch sei, der Labor-Manager zeigte
keinerlei Reaktion.
Als egoistischer junge Mann, der ich damals war, nahm ich keine Notiz
von seiner Unterreaktion.
Ich tanzte nach Spencers Pfeife und der Labor-Manager wusste besser als
ich Bescheid über dessen Willen und handelte entsprechend.
Als wir im Lift waren, konzentrierte sich Birkin immer noch auf die
Papiere. Sie enthielten detaillierte Informationen über Ebola,
ein Philovirus, das zwei Jahre zuvor in Afrika entdeckt worden war.
Auch noch heute forschen viele Leute aus aller Welt an Ebola.
Allerdings gibt es zwei völlig verschiedene Gründe
dafür.
Die eine Seite forscht an dem Virus, um Menschenleben zu retten
während die andere weitaus unheilvollere Gründe habt.
90 % der mit Ebola infizierten Personen sterben. Einmal infiziert,
zerstört das Virus die physische Struktur des Körpers
in nur 10 Tagen.
Es gibt keine Heilmittel und keine Aussicht auf Besserung. Die Wirkung
von Ebola als Biowaffe hätte unvorstellbar schreckliche Folgen.
Natürlich war das Einsetzen von Bio-Waffen schon lange
verboten, so dass es illegal gewesen wäre, das Potential des
Virus als Bio-Waffe zu testen.
Es ist aber durchaus legal zu erforschen, wie sich das Virus aufhalten
lässt, wenn es durch andere als Waffe eingesetzt wird.
Es ist nur ein winzig kleiner Schritt von der einen Perspektive zur
anderen - praktisch gesehen gibt es überhaupt keinen
Unterschied, da man zuerst erforschen muss, wie man das Virus als Waffe
einsetzt um herauszufinden, wie man es dann wieder aufhalten kann.
Das heißt, man behauptet einfach, man forsche an der Vorsorge
und Heilung während das wahre Ziel das genaue Gegenteil ist.
Wie dem auch sei, Birkin war weder an dem einen noch an dem anderen Weg
interessiert, da dieses Virus zu viele Schwächen
besaß.
Erstens: Es stirbt ab, sobald es in Kontakt mit Sonnenlicht kommt und
kann daher außerhalb des Körpers nur ein paar Tage
überleben.
Zweitens: Das Virus hat nicht genug Zeit, seinen nächsten Wirt
zu befallen, da es seinen momentanen Wirt zu schnell tötet.
Drittens: Das Virus wird nur durch
Körperflüssigkeiten übertragen und ist somit
recht einfach abzuwehren.
Wie auch immer, man bedenke:
Was wäre, wenn die infizierte Person aufstehen und laufen
könnte? Und was, wenn diese Person instinktiv den direkten
physischen Kontakt mit nicht infizierten Personen suchen würde?
Das Ebola-Gen gehört zu den RNA-Genen. RNA-Gene besitzen die
Fähigkeit, menschliche Gene zu mutieren, und was
wäre, wenn diese Mutation dem Menschen eine Art
"Unsterblichkeit" verleihen würde?
Diese Kreatur wäre eine "Menschliche Biologische Waffe" - im
Grunde genommen tot als Mensch, dennoch in der Lage, weitere Menschen
zu infizieren, so lange der mutierte Teil noch aktiv ist und ihn am
Leben erhält...
Es war pures Glück für uns, dass das Ebola-Virus
nicht solche negativen Eigenschaften an den Tag legte.
Somit hatten wir dieses "spezielle Ebola" mit seinen besonderen
Eigenschaften für uns ganz allein.
Nun, die Organisation um Spencer arbeitete an der Herstellung dieser
lebendigen Waffe...
Offiziell lief sie als pharmazeutische Firma, spezialisiert auf
Erforschung und Heilung dieses Virus, aber in Wirklichkeit war es
nichts anderes als eine Fabrik zur Produktion von biologischen Waffen.
Die Entdeckung des "Founder Virus", welches Gene modifizieren kann,
schien die Geburt des ganzen Projektes gewesen zu sein.
Aber um aus diesem "Founder Virus" tatsächlich eine
"Menschlich Biologische Waffe" herzustellen, war es nötig,
eine Variante mit zusätzlichen Besonderheiten zu erschaffen.
Das war das "T-Virus-Projekt".
Das "Founder Virus" ist ein RNA-Virus. RNA-Viren sind bekannt
für ihre Tendenz zur Mutationen. Dies erlaubt uns,
Veränderungen an ihm vorzunehmen und seine Eigenarten zu
verstärken.
Birkin fragte sich, ob es möglich war, das Ebola-Gen mit dem
mutierten "Founder Virus" zu kombinieren, um dessen Eigenschaften zu
verbessern. Die Probe des Ebola-Virus war bereits im Labor angekommen.
Und aus diesem Grunde waren wir nun hier.
Nachdem wir von Lift zu Lift gewechselt hatten, erreichten wir den
Hochsicherheitsbereich des Labors.
Und sogar Birkin erhob erstaunt den Blick von seinem Report als wir
„Sie“ (Lisa Trevor) zum ersten Mal sahen...
Wir wussten rein gar nichts über sie. Sie war das
größte Geheimnis dieses Labors, und ihre Daten
hatten dieses Anwesen niemals verlassen.
Die Aufzeichnungen zeigten, dass sie von Anfang an hier war, seit das
Institut gegründet wurde.
Sie war jetzt 25 Jahre alt. Niemand hier wusste, wer sie war oder warum
sie hier war.
Sie war die menschliche Versuchsperson, an der das T-Virus entwickelt
wurde.
Das Experiment hatte am 10. November 1967 begonnen. Sie hatte
über 11 Jahre lang die verschiedendsten Viren injiziert
bekommen.
Birkin murmelte irgend etwas... War das ein Fluch? Oder ein Gebet?
Wir hatten jedenfalls verstanden, dass es jetzt keinen Weg merh
zurück gab.
Wir mussten die Forschungen zu einem erfolgreichen Ende bringen oder
wir würden hier genauso verrotten wie dieses verlorene
Mädchen. Wir hatten keine Wahl.
Dennoch.... ihr bloßer Anblick - sorgfältig und
straff festgezurrt auf einem völlig verdreckten Krankenbett -
bewirkte etwas in unserem Gewissen.
War das Teil von Spencers Plan? |
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| KAPITEL 2: Alexia |
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| 27. Juli
1981[Sonnenabend - 3 Jahre seit dem las Report] |

"Heute
ist ein 10 Jahre altes Mädchen zur Senior-Forscherin des
Südpol-Laboratoriums ernannt worden. Ihr Name ist Alexia
Ashford."
Ich war zu der Zeit 21 Jahre alt und Birkin gerade 19.
Das Gerücht über diese Alexia als neue Chefin am
Südpol beherrschte die Gespräche unter den
Arclay-Forschern, es verbreitete sich wie ein Lauffeuer.
Der Name "Ashford" war legendär unter den älteren
Mitarbeitern, die lang genug bei UMBRELLA gewesen waren, um sich an ihn
zu erinnern.
Wann immer die Forschungsarbeiten an einem toten Punkt angelangt waren,
hörte man sie sagen: "Wenn nur Dr. Ashford noch leben
würde..."
Uns sagte dies damals noch nicht sehr viel.
Vermutlich war dieser Dr. Edward Ashford ein großartiger
Wissenschaftler des ersten Forschungsteams gewesen, welches das
"Founder Virus" erschaffen hatte, und auch Mitbegründer des
"T-Virus"-Projektes.
Wie dem auch sei, Dr. Ashford war kurz nach der Gründung von
UMBRELLA gestorben. 13 Jahre waren seit dem vergangen.
Warum erwartete man hier eigentlich so viel von den Ashfords?
Tatsache war, dass das Südpol-Labor, welches nach des Dr.
Edward Ashfords Tod von seinem Sohn Alexander gegründet worden
war, bisher keinerlei Resultate vorzeigen konnte. Somit konnte wohl
auch nicht sehr viel von des Doktors Enkelin Alexia erwartet werden.
Und dennoch, von diesem Tag an sagten unsere albernen Untergebenen:
"Wenn nur Miss Alexia hier wäre!"
Es schien, als gäbe es kein Potential für
Zukunftsentwicklungen in diesem Labor, solange wir diesen Haufen von
Idioten als Mitarbeiter hatten, die Menschen offensichtlich nur nach
ihrer Abstammung beurteilten.
Diese primitiven Narren konnten niemals die Initiative ergreifen und
würden ihr armseliges Leben lang kleine, unbedeutende Forscher
bleiben. Ihrer eigenen Meinung nach standen sie bereits mit einem Bein
im Grab.
Aber ich war anders. Ich konnte die richtigen Entscheidungen treffen.
Wenn ich als Chef-Entwickler emotionale Einflüsse
hätte zählen lassen, dann hätte sich die
Entwicklung des "T-Virus" noch wesentlich mehr verzögert. Um
zu Ergebnissen zu kommen, musste jemand gefasst bleiben und unter allen
Umständen vernünftige Entscheidungen treffen. Und
dieser jemand war ich.
Und dann hatte ich plötzlich eine Idee:
Der Erfolg unserer Forschung könnte darin liegen, eine
vernünftige Verwendung für diese "antiken Gentlemen"
zu finden...
Da sie sowieso jeden Moment tot umfallen konnten, wären sie
nicht von deutlich größerem Nutzen, wenn man sie
für ein paar "Experimente" einsetzen würde, bevor sie
von ganz allein das Zeitliche segneten?
Die Aufgabe des Managements ist es schließlich, alles und
jeden für den Erfolg des Projektes heranzuziehen.
Aber Birkin wurde über diesen Gedanken sehr
ärgerlich...
Auch seine Reaktion auf die Alexia-Gerüchte war so
rührend.
Obwohl er es niemals gesagt hatte, ich wußte, dass es es ihn
vor Stolz platzen ließ, mit nur 16 Jahren der
jüngste Chef-Entwickler aller Zeiten geworden zu sein. Und
Alexia, dieses 10jährige Mädchen im
Südpol-Labor, hatte nun seine symbolische Trophäe in
nutzlose Stücke zerschlagen. Es muss das erste Mal gewesen
sein, dass er sich geschlagen gefühlt hatte.
Birkin würde niemals jemanden akzeptieren können, der
jünger als er war, einen großen Namen hatte und auch
noch weiblich war.
Und es war unvorstellbar, dass ER, William Birkin, an einen so weit
entfernt gelegenen Ort versetzt werden sollte, wo seit Ewigkeiten
keinerlei Erfolge erzielt worden waren!
Nach all der Zeit war er immer noch ein Kind...
Aber so unreif er auch war, er musste sich zusammennehmen!
Über die letzten 3 Jahre hatte unsere Forschung die zweite
Stufe erreicht.
Zu dieser Zeit erreichte der "T-Virus" die benötigte
Stabilität zur Erschaffung von "lebenden Bio-Waffen" - besser
bekannt als Zombies.
Aber das Virus würde niemals in der Lage sein, das menschliche
Genom zu 100 % zu verändern. Es gab zwar
Kompatibilitäten zwischen dem Virus und den Genen, doch es
hatte einfach niemand die exakt passenden Gene.
Etwa 10 % der Menschheit würde mit dem Leben davonkommen, also
die Krankheit nicht entwickeln, selbst wenn ein Zombie sie mit dem
Virus infizieren würde.
Es gab nichts, was wir in dieser Sache tun konnten, egal wie sehr wir
es versuchten.
Eine Erfolgsquote von 90 % war nachweislich gut genug, um als
biologische Waffe tauglich zu sein, doch Spencer schien damit nicht
zufrieden zu sein.
Unser Boss wollte eine "stand-alone" Waffe, die die gesamte
Bevölkerung auslöschen konnte.
Nur.... Wozu?
Im Grunde genommen liegt der eindeutige Vorteil von biologischen Waffen
in den geringen Entwicklungskosten.
Doch unsere „lebendige Bio-Waffe“ begann langsam,
ziemlich teuer zu werden.
Spencer hätte diesen Weg niemals eingeschlagen, wenn er den
finanziellen Erfolg gesucht hätte, denn hätte man
unsere Ergebnisse zur Nutzung in Verbindung mit herkömmlichen
Waffen hergestellt, hätte man anständig Profit machen
können.
Aber an diesem Punkt weiter und weiter zu forschen, um eine
"stand-alone Ausrottungswaffe" zu erschaffen, machte absolut keinen
wirtschaftlichen Sinn.
Warum ignorierte Spencer weiterhin konsequent die Kosten?
War es sein Ziel, die gestammte Kriegsindustrie zu monopolisieren,
indem er sämtliche Konzepte der Kriegsführung auf den
Kopf stellte?
Vielleicht konnte ich ihn dann doch ein wenig verstehen...
Ich wusste immer noch nicht, was seine wahren Absichten waren.
Unabhängig von Spencers Absichten arbeitete Birkin wie
besessen daran, eine „Lebende Bio-Waffe“ mit
Schwerpunkt "verbesserte Kampffähigkeiten" zu entwickeln.
Er versuchte dies, indem er nicht nur menschliche Gene
veränderte sondern zusätzliches Erbgut von anderen
Lebewesen hinzufügte.
Diese rücksichtslos kämpfenden „Lebenden
Bio-Waffen“ würden alle Menschen töten,
einschließlich derjenigen, die kugelsichere Westen oder
Kampfanzüge für biologische Kriegsführung
trugen und auch die Menschen, die dem Tod durch Infektionen entkommen
waren.
Diese brutalen Kreaturen wurden später als "Hunter" bekannt.
Dann mussten diese Experimente für eine Weile auf Eis gelegt
werden, um die Versuchspersonen vor Birkin zu schützen.
Birkin, den dieser grundlose Hass gegen Alexia quälte, hatte
begonnen, sich äußerst eigenartig zu benehmen.
Immer wieder arbeitete er ganze Nächte hindurch und
wiederholte desorganisierte Experimente, eines nach dem anderen. Ich
und meine Leute mussten die Daten so schnell wie irgend
möglich sammeln und verzeichnen, bevor uns die
Versuchspersonen wegstarben.
Doch mit Birkins Geschwindigkeit konnten wir bald einfach nicht mehr
mithalten.
Der Manager des Labors lieferte unaufhörlich neue
Versuchspersonen, als ob das nichts wäre, aber bei Birkins
Verschleiß überlebten auch diese nicht lange.
Es war die Hölle.
Aber "Sie", Lisa Trevor, die erste Versuchsperson überhaupt,
überlebte diese Hölle immer und immer wieder...
Sie war nun 28 Jahre alt und hatte bereits 14 Jahre ihres Lebens in
diesem Labor verbracht.
Die unzähligen Injektionen des "Founder Virus" über
diese letzen 14 Jahre und deren Auswirkungen konnten jedoch von ihren
Gehirnzellen nicht viel übrig gelassen haben. Wenn ihr dennoch
auch nur ein Funken klarer Verstand geblieben war, wäre der
TOD ihr einziger Wunsch gewesen.
Doch sie lebte weiter.
Warum war sie die einzige, die dieses Martyrium überleben
konnte?
Die Experimentaldaten unterschieden sich nicht wesentlich von denen
aller anderen Versuchspersonen.
Wir würden noch viel Zeit brauchen, um die Antwort auf diese
Frage zu finden. |
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| KAPITEL 3: Alexia's
Tod |
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| 31.
Dezember 1983 [2 Jahre nach dem last Report] |

Mein
sechster Winter im Arclay-Labor.
Zwei nahezu völlig sinnlose Jahre waren vergangen, ohne
positive Erfolge verzeichnen zu können, aber jetzt war der
Wendepunkt endlich erreicht!
Der Auslöser war ein Bericht gewesen, den wir an diesem Morgen
empfangen hatten.
Alexia war gestorben!
Es hieß, dass sie sich versehentlich mit dem von ihr selbst
entwickelten T-Veronica-Virus, infiziert hatte...
Zu dieser Zeit war Alexia erst 12 Jahre alt und damit definitiv viel zu
jung, um derart gefährliche Forschungen zu betreiben...
Das Gerücht ging um, Alexia hätte sich absichtlich
mit dem Virus infiziert, aber das schien doch ziemlich
unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher war es, dass sie den
frühen Tod ihres Vaters, Alexander Ashford, vor einem Jahr
noch immer nicht verwunden hatte und aus Unkonzentriertheit einen
Fehler machte.
Nach Alexias Tod wurden die Forschungsarbeiten im Südpol-Labor
von ihrem Zwillingsbruder Alfred übernommen, ihr einziger noch
lebender Blutsverwandter. Aber niemand erwartete irgendwelche
weltbewegenden Resultate von ihm. Die Reihe der Ashford-Familie schien
nun so gut wie ausgestorben zu sein, ohne jemals etwas Bemerkenswertes
entwickelt zu haben.
Wie ich es erwartet hatte, schien die Legende um diese Familie nicht
mehr zu sein, als eben eine Legende.
Aber Alexias Tot veränderte Birkins Bewußtsein
– oder sollte ich besser sagen, verwandelte ihn
zurück in die Person, die er einst gewesen war.
Ein Hauptfaktor in Birkins psychologischer Gesundung war, dass die mit
ihm arbeitenden Forscher anfingen, ihm mehr Respekt entgegenzubringen.
Nach Alexias Tod gab es niemanden mehr, der mehr Potential hatte als er.
Dennoch, in seiner Gegenwart über Alexia zu sprechen, war nach
wie vor ein Tabu.
Birkin war strikt dagegen, dass ich versuchen wollte, eine Probe des
T-Veronica-Virus zu bekommen... Also unterließ ich es
vorläufig.
Ich musste auf eine bessere Gelegenheit warten, um die Wahrheit
über Alexias Forschungen herauszufinden.
Auch die Tatsache, dass Alexia tot und Birkin nun wieder in einer viel
stärkeren Position war, ließ ihn nicht
vernünftig werden.
Wie dem auch sei, in diesen Tagen musste ich mich viel
größeren Problemen zuwenden.
Das Arclay-Labor befand sich im Zentrum einer Bergregion, umgeben von
nichts als tiefen Wäldern. Während meiner Zeit dort
ging ich oft hinaus, um spazieren zu gehen, habe aber nie eine
Menschenseele dort draußen getroffen.
Ein Helikopter war in der Tat der einzige Weg, dieses Areal zu
erreichen, wodurch es unerreichbar für Unbefugte wurde.
Diese absolute Abgelegenheit und die relativ geringe Anzahl von
Beschäftigten waren wichtige Faktoren für das
Institut gewesen, um das Potential eines Desasters bei einem
eventuellen Ausbruch des Virus so gering wie möglich zu halten.
Aber biologische Waffen sind nicht so simpel wie man glauben mag.
Die Viren würden nicht nur Menschen befallen.
Und kein Virus befällt nur einen einzigen Träger.
Zum Beispiel kann das Grippe-Virus neben Menschen auch Vögel,
Schweine, Pferde und sogar Seelöwen befallen.
Es wird noch komplizierter, wenn nicht alle Spezies einer Familie
infiziert werden können. Zum Beispiel könnten Enten
und Hühner von einer Virusart befallen werden, aber nicht die
anderen Vogelarten. Weiterhin könnte dasselbe Virus -
abhängig von seinen Varianten - verschiedene Träger
befallen. Es ist unmöglich, alle Träger von auch nur
einem Virus zu kennen.
Das größte Problem war die hohe
Anpassungsfähigkeit des "T-Virus".
Während Birkin nicht viel zustande brachte, hatte ich die
Möglichkeit einer Sekundär-Infektion durch das
T-Virus studiert.
Ich fand heraus, dass das T-Virus von nahezu allen Spezies angenommen
wird. Nicht nur von Menschen und Tieren, sondern auch von Pflanzen,
Insekten und Fischen. Fast jede Lebensform dieser Erde hat das
Potential, das T-Virus aufzunehmen, zu vervielfachen und zu verbreiten.
Während ich ganz allein durch die Wälder streifte,
fragte ich mich oft, warum Spencer ausgerechnet diesen Ort
gewählt hatte.
In diesen Wäldern gab es unzählige der
verschiedensten Lebewesen. Was würde passieren, wenn das Virus
freigesetzt würde und in Kontakt mit einem möglichen
Träger käme?
Wenn es Insekten wären, würde es aufgrund ihrer
Größe vermutlich keine größere
Sekundär-Infektion geben.
Aber Insekten können sich enorm vermehren und bewegen sich in
weitem Radius.
In diesem Falle, wie schnell und wie weit würde sich das Virus
verbreiten?
Angenommen, es handelt sich um Pflanzen. Hier mag es zunächst
so scheinen, dass die Möglichkeit einer Massen-Infektion
gering wäre, da sich Pflanzen nicht fortbewegen.
Aber was ist mit ihren Pollen?
Dieser Ort war zu gefährlich.
Wenn man es so betrachtete, machte es durchaus Sinn, dass die Ashfords
den Südpol als Standort für ihr Labor
gewählt hatten.
Im Gegensatz dazu, schien dieser Ort geradezu dafür
ausgewählt worden zu sein, das Virus zu verbreiten.
Aber das konnte doch nicht wahr sein, oder etwa doch?
Was wollte Spencer von uns?
Diese Gedanken waren zu gefährlich, um sie mit irgend jemandem
im Labor zu teilen.
Die einzige Person, an die ich möglicherweise wenden konnte,
war Birkin. Leider es war offensichtlich, dass es keine
Möglichkeit gab, mit ihm darüber zu sprechen.
Was ich brauchte, waren mehr Informationen, aber woher?
Zu dieser Zeit begann ich zu begreifen, dass ich die Grenzen meiner
Fähigkeiten als Forscher nahezu erreicht hatte.
Um Spencers wahre Absichten herauszufinden, musste ich eine Position
übernehmen, die mir Zugang zu den Informationen
ermöglichte, die ich benötigte.
Ich hätte nicht gezögert, meine derzeitige Position
aus diesem Grunde jetzt und sofort aufzugeben.
Aber ich wollte nicht zu hastig vorgehen, denn wenn Spencer Zweifel an
meinen Motiven gehabt hätte, wäre das Spiel aus
gewesen, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Ich konzentrierte mich also weiterhin auf Birkin und die Forschungen
und hütete mich davor zu verraten, womit sich meine Gedanken
in Wirklichkeit beschäftigten.
Während wir intensiv weiter arbeiteten, hatten wir Lisa, die
weibliche Versuchsperson, schon fast vergessen.
Sie war ein Fehler, ohne Nutzen, doch sie lebte immer noch.
Wir nannten sie "einen Fehler", weil sie keine brauchbaren Daten
lieferte.
Bis wir 5 Jahre später jenes Experiment
durchführten... |
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| KAPITEL 4 : NEMESIS |
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| 1.Juli
1998 [Freitag - 5 Jahre nach dem last Report] |

Es
war
unserer 11. Sommer im Arclay-Labor, ich war jetzt 28 Jahre alt.
Birkin war Vater geworden. Er hatte ein mittlerweile 2jähriges
Mädchen, Sherry, die Mutter Annette ebenfalls Forscherin im
Arclay-Labor.
Es war schwer zu glauben, dass sie in der Lage waren, zu heiraten und
ein Kind auf die Welt zu bringen, während beide HIER
arbeiteten. Andererseits, gerade weil Birkin nicht normal war, konnte
er seine Forschungen fortsetzen.
Nur ein Verrückter konnte hier erfolgreich sein...
Nach 10 Jahren hatte unsere Forschung endlich die dritte Stufe erreicht.
Eine hoch entwickelte, intelligente "kämpfende Bio-Waffe", die
programmierte Befehle ausführen würde wie ein bis zur
Perfektion ausgebildeter Soldat. Dies war das Monster, das wir zu
erschaffen versuchten. Wir nannten es "Tyrant".
Doch Menschen, die für die genetische Verwandlung zum Tyranten
geeignet schienen, waren extrem selten.
Das liegt in der Natur des "T-Virus".
Diese Variante des "T-Virus", welche das Ideal zu Erschaffung von
Zombies und Huntern darstellte, funktionierte zwar bei den meisten
Menschen, aber sie besaß den inakzeptablen Fehler, dass es
die Gehirnzellen seiner Opfer zu schnell zerstörte.
Um den Träger in einen Tyranten umzuwandeln, mussten wir seine
Intelligenz auf einem gewissen Niveau halten. Zur Lösung
dieses Problems arbeitete Birkin an einer Variante, welche nur eine
geringe Schädigung des Gehirnes hervorrief, wenn sie perfekt
zum genetischen Code des Trägers passte.
Allerdings, Menschen mit genau dieser genetischen
Übereinstimmung waren extrem selten...
Eine Simulation des genetischen Analyse-Teams ergab, dass sich nur ein
einziger von zehn Millionen infizierten Menschen in einen Tyranten
verwandeln würde, alle anderen würden schlicht zu
Zombies mutieren.
Es wäre sicherlich möglich gewesen, eine
fortschrittlichere Variante des „T-Virus“ zu
entwickeln, die mehr Menschen zu Tyranten machen würde, aber
dafür benötigten wir zuerst einmal ausreichend
Versuchspersonen mit einer perfekten Übereinstimmung
für diese neue Variante.
Aber wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit, an solche Versuchspersonen zu
kommen, war niederschmetternd gering, denn selbst auf dem gesamten
nordamerikanischen Kontinent würden sich im
Höchstfall nur ca. 50 solcher Exemplare überhaupt
befinden.
Nun, tatsächlich konnten wir selbst unter
größten Anstrengungen nur ein paar wenige Menschen
dieser Art auftreiben, die zudem auch nur eine ungefähre
Übereinstimmung aufwiesen.
Zum ersten Mal seit Beginn unserer Forschungen waren wir an einem
völlig toten Punkt angelangt.
Und dann wurde uns das Gerücht zugetragen, dass ein
europäisches Labor an der Entwicklung einer "lebenden
Bio-Waffe" der 3. Generation arbeitete...
Es war das "Nemesis-Projekt".
Diesmal handelte ich schnell, um eine Probe davon zu bekommen.
Natürlich war Birkin wieder dagegen, aber irgendwie schaffte
ich es, ihn zur Zustimmung überreden. Wir brauchten dringend
etwas, das wir als weitere Basis nutzen konnten.
Er musste akzeptieren, dass unsere Forschungen am Ende waren, bis wir
die perfekt passende Versuchsperson gefunden hätten. Und das
tat er auch.
Ein paar Tage später dann erreichte uns in tiefster Nacht
endlich ein Packet aus Übersee. Nach einer längeren
Reise über viele Umwege war "es" heil und unversehrt in einer
kleinen, unscheinbaren Holzkiste auf dem Helikopterplatz der Anlage
abgesetzt worden.
"Nemesis Prototyp" stand in großen Lettern auf der Kiste.
Wir hatten wahrlich einige Hebel in Bewegung gesetzt, das
französische Labor dazu zu bringen, uns ihre Arbeit zukommen
zu lassen, aber ohne Spencers Unterstützung hätte es
nicht funktioniert.
Birkin zeigte absolut kein Interesse an Nemesis, aber wenigstens sah er
ein, wie wichtig dieses Experiment für unsere eigene Arbeit
war.
Diese "Waffe" basierte nämlich auf einer brandneuen Idee.
Die Grundlage für eine nahezu unbesiegbare Kampfmaschine,
erzeugt durch genetische Mutation - das war Nemesis.
Tatsächlich handelte es sich um einen Parasiten, der durch
genetische Veränderungen mit Intelligenz versehen wurde,
allerdings ohne die Fähigkeit, selbstständig
Entscheidungen treffen zu können.
Sobald sich dieser Parasit im Gehirn eines anderen Lebewesens
eingenistet hatte, übernahm er die volle Kontrolle
über dessen Geist und Körper und verlieh ihm seine
hoch entwickelten Kampffähigkeiten.
Verwirklicht wurde dieses Projekt dadurch, Intelligenz und biologischen
Körper für den Kampf einzeln anzubieten und sie dann
zu kombinieren, um eine "lebende Bio-Waffe" herzustellen.
Wenn das erfolgreich war, brauchten wir uns keine Gedanken mehr
über die Probleme zu machen, die wir uns zuvor ausgerechnet
hatten...
Doch es gab auch hier ein Problem. Der Parasit nistete sich in seinem
Wirt nicht immer auf die Art ein, die wir uns wünschten.
In dem Untersuchungsbericht, der der Probe angeheftet war, sahen wir
nichts als eine lange Liste von Todesfällen.
Die Wirte überlebten gerade mal 5 Minuten, nachdem Nemesis die
Kontrolle über ihre Gehirne übernommen hatte.
Aber wir wussten bereits, dass auch ein unfertiger Prototyp extrem
gefährlich sein würde.
Wenn wir es schafften, das Überleben des Wirtes
sicherzustellen, dann durften wir hoffen, die Führung im
"Nemesis-Projekt" zu übernehmen.
Das war mein Ziel.
Natürlich plante ich sofort, Lisa, die weibliche
Versuchsperson, einzusetzen.
Mit ihrer abnormalen Überlebensfähigkeit
könnte sie den Nemesis-Prototypen eine lange Zeit in sich
tragen. Und auch wenn dieser Versuch scheitern sollte, hatten wir
nichts verloren.
Wie dem auch sei, unsere Experimente nahmen nun eine unerwartete
Wendung.
Wir verloren Nemesis an Lisa, als er versuchte, in ihr Gehirn
einzudringen. Zunächst konnten wir nicht verstehen, wie das
geschehen konnte.
Niemals hätten wir gedacht, dass SIE den Parasiten
übernehmen würde und nicht umgekehrt!
Das war der Anfang.
Ihren vorherigen Zustand hätte man ruhig als sinnlos
dahinvegetierende Kreatur bezeichnen können, mehr tot als
lebendig, doch als Nemesis in sie eintrat, schien eine Reaktion zu
passieren, etwas in ihr begann zu erwachen...
Wir mussten sie dringend noch einmal gründlich untersuchen.
Während der letzen 10 Jahre war sie bis ins kleinste Detail
überprüft worden, doch wir hatten entschieden, die
alten Daten einfach zu ignorieren und ganz von vorn zu beginnen.
Nach unendlich vielen Untersuchungen und Tests hatte Birkin
schließlich begriffen, was passiert war. Definitiv existierte
etwas in ihr.
Was auch immer es war, es führte über das eigentliche
"T-Virus" Projekt weit hinaus und zeigte uns eine völlig neue
und andere Möglichkeit auf.
Das war der Beginn des Projektes "G-Virus", welches all unsere
urspünglichen Ziele verändern sollte... |
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| KAPITEL
5: G-Virus |
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| 31. Juli
[Montag - 7 Jahre nach dem last Report] |

Es
war
wieder Sommer und 17 Jahre her, seit ich diesen Ort zum ersten Mal
besucht hatte.
Wann immer ich dort ankomme, erinnere ich mich an den Geruch des Windes
an diesem Tag. Nichts hatte sich seitdem verändert, weder die
Gebäude noch die Umgebung.
Ich konnte Birkin, der bereits vor mir angekommen war, am
Helikopterlandeplatz stehen sehen.
Ich hatte ihn seit langer Zeit nicht gesehen.
4 Jahre waren vergangen, seit ich das Arclay-Labor das letzte Mal
verlassen hatte.
Zu der Zeit als Birkins "G-Virus"-Projekt genehmigt worden war, hatte
ich mich um eine Versetzung in das Informationsbüro beworben
und war sofort akzeptiert worden. Es muss allen Beteiligen ganz normal
erschinen sein, dass ich meine Kariere als Forscher aufgegeben hatte
und umsatteln wollte.
Tatsächlich ging das "G-Virus" Projekt weit über
meine Fähigkeiten hinaus.
Selbst wenn ich keinen Grund gehabt hätte, Spencers wahre
Absichten herauszufinden, so wusste ich doch, dass ich meine Grenzen
als Forscher nunmehr endgültig erreicht hatte.
Trotz des orkanartigen Windes, den der Helikopter machte, erhob Birkin
niemals seinen Blick von seinen Forschungsunterlagen. Obwohl es
offensichtlich war, dass er Arclay noch immer
regelmäßig besuchte, arbeitete er nicht mehr in
dieser Anlage.
Birkin war einige Zeit zuvor in ein riesiges, unterirdisches
Laboratorium in Raccoon City versetzt worden. Dort war die Basis
für die Arbeiten am „G-Virus“ Projekt,
welches von ihm selbst und nur von ihm geleitet wurde.
Noch 4 Jahre vorher hätte ich niemals gedacht, dass Spencer
dem "G-Virus" Projekt zustimmen würde, weil es nur auf einer
Vermutung basierte und vom eigentlichen Konzept einer biologischen
Waffe abwich.
Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem
„G-Virus“ und dem „T-Virus“
ist, dass der infizierte Organismus selbständig weiter
mutiert. Weil ein Virus die ungeschütze Form eines Genes ist,
mutiert es sehr leicht. Eine Mutation kann beispielsweise passieren,
wenn das Virus alleine ist, sich aber in einem anderen Organismus
befindet... Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein Gen in einem Körper mutiert dagegen nur schwer, auch wenn
seine Struktur von einem Virus verändert wurde,
außer unter bestimmten äußeren
Einflüssen, wie z.B. radioaktiver Strahlung.
Wie dem auch sei, ein Organismus, der mit dem
„G-Virus“ infiziert wurde, mutiert auch ohne
äußere Einwirkung immer weiter, bis zu seinem Tode.
Dieselben Eigenschaften existieren im "T-Virus".
Als wir die "lebende Bio-Waffe" in verschiedenen Situationen
beobachteten, stellten wir einige genetische Veränderungen
fest, die durch ein aktiviertes Virus in dessen Körper
ausgelöst wurden. Allerdings, im Falle des
„T-Virus“ waren immer äußere
Einflüsse nötig, um die Rekombinationen
auszulösen, und die Resultate waren immer nahe an dem, was wir
erwarteten.
G-infizierten Organismen fehlte diese Vorhersagbarkeit jedoch
völlig.
Niemand konnte vorhersehen, wie es sich rekombinieren würde,
und was wir auch versuchten, um diesen Prozess aufzuhalten, es mutierte
immer weiter, es machte unsere Manipulation völlig wertlos.
7 Jahre zuvor hatte Birkin Anzeichen dieses Effektes in der weiblichen
Versuchsperson gefunden. Äußerlich hatte sie sich
nicht verändert, aber innerlich veränderte sie sich
stetig und blieb am Leben, indem sie mit all den experimentellen Viren,
die sie bekommen hatte, verschmolz und coexistierte. Die 21 Jahre der
inneren Mutation hatten sie soweit entwickelt, dass sie den
Nemesis-Parasiten "akzeptieren" konnte.
Das "G-Virus" Projekt bestand nun darin, diese Abnormalität
zum absoluten Limit zu treiben.
Doch das Resultat dieses Projektes konnte entweder die Evolution des
perfekten Organismus sein oder aber seine totale Zerstörung.
Kann man das eine Waffe nennen?
Warum hatte Spencer diesem Projekt zugestimmt?
Obwohl ich nun schon 4 Jahre beim Informationsbüro war, konnte
ich seine Motive immer noch nicht einschätzen.
Und jetzt kam Spencer nicht einmal nach Arclay.
Als ob er vorher gesehen hätte, das hier etwas passieren
würde.
Das Bild von Spencer verschwand aus meinem Kopf wie eine Fatamorgana in
der Wüste.
Aber irgendwann würde sich von ganz allein eine Gelegenheit
bieten.
Wenn ich bis dahin noch am Leben bin.
Der Lift brachte uns beide, Birkin und mich, zum
Hochsicherheitsbereich, zu dem Ort, wo wir sie zum ersten Mal gesehen
hatten. Chef-Entwickler John, Birkins Nachfolger, erwartete uns dort.
Er war aus dem Chicagoer Labor hierher versetzt worden, und es
hieß, er wäre ein exzellenter Wissenschaftler, doch
mir erschien er viel zu normal, um für dieses Labor zu
arbeiten.
Er hatte Zweifel aufgrund der mit diesen Forschungen einhergehenden
Grausamkeiten und bat seinen Vorgesetzten, diese Situation zu
korrigieren.
Das hatte genügend Aufmerksamkeit erregt, sogar bei mir im
Informationsbüro.
Alle waren der Meinung, dass es nur er gewesen sein konnte, wenn
irgendwelche Informationen nach außen dringen würden.
Wir ignorierten John und konzentrierten uns darauf, Lisa
endgültig zu erlösen.
Sie zu töten.
Sie hatte tatsächlich nach der Übernahme von Nemesis
ein wenig Intelligenz zurückgewonnen, doch es führte
zu nichts, außer dass sie begonnen hatte, sich eigenartig zu
benehmen.
Ihr extrem seltsames Verhalten eskalierte in immer neuen Varianten.
In diesen Tagen schälte sie die Haut der Gesichter von anderen
Frauen ab und trug sie über ihrem eigenen.
Alte Aufzeichnungen zeigten, dass sie sich auf dieselbe Art benommen
hatte, bevor sie das erste Mal das "Founder Virus" bekommen hatte.
Wir waren uns nie sicher gewesen, was sie so reagieren ließ,
aber ihre Beseitigung war beschlossene Sache, als ihr der dritte
Forscher zum Opfer gefallen war.
Nun, da die Erforschung des „G-Virus“ auf ihrem Weg
zum Erfolg war, hatte sie ihren Status als wertvolle Versuchsperson
verloren und war somit überflüssig.
3 Tage lang wurde überprüft und bestätigt,
dass ihr Leichnam keinerlei Lebenszeichen mehr zeigte, erst dann wurde
sie auf endgültigen Befehl des Labor-Managers weggebracht.
Selbst jetzt wusste ich immer noch nicht, wer sie war und warum zur
Hölle sie überhaupt dorthin gebracht worden war.
Natürlich war das genau dasselbe, wie mit all den anderen
Versuchspersonen.
In jedem Falle, wäre sie nicht dagewesen, hätte das
"G-Virus" Projekt vermutlich niemals existiert, und in diesem Falle
würde die Situation für Birkin und mich ganz anders
aussehen.
Als ich das Arclay Labor verließ, dachte ich noch lange
über Lisa nach.
Wie berechnent ist Spencer wirklich? |
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